Polar Sea 360°

Episode 03

Legenden der Jagd

Wir grüßen Kanada Map it

Von Richard Tegnér, schwedischer Architekt und Vater zweier Kinder. Nachdem Richard mit der DAX, einem 9,5 Meter langen Segelboot, das ihn durch die Nordwestpassage bringt, an der Küste des kleinen Inuit-Dorfes Pond Inlet angelegt hatte, besichtigt er zum ersten Mal die ehrfurchtgebietende Landschaft der kanadischen Arktis.

5. August - Pond Inlet, Nunavut

Ein Grad und Nebel heute Morgen. Um 10:10 Uhr tauchen die steilen Berge von Pond Inlet vor uns auf: Schneebedeckte Gipfel, die steil zum Wasser abfallen. Zuerst sind wir von dichtem Nebel umgeben, aber dann lichtet er sich über dem Wasser und gibt die Sicht auf die Nebelschwaden frei, die an den Klippen entlang gleiten. Die Gletscher sehen aus wie gefrorene Wasserfälle an den Hängen. Pure Wildnis.

Wir tuckern nach Pond Inlet, wo David New (Anm. d. Red. der Regisseur von “Polar Sea 360°”) uns am Strand erwartet. Er lädt uns zum Mittagessen im Hotel ein und begleitet uns dann zur Polizeidienststelle, damit wir uns dort anmelden und unsere Waffe registrieren können. Unsere Pässe werden abgestempelt. Es gibt keinen Yachthafen in Pond Inlet, also bleiben wir auf dem wippenden Boot und fahren mit dem Gummiboot zwischen dem Segelboot und dem Strand hin und her. Die Aussicht ist wunderschön. Auf der anderen Seite von Pond Inlet befindet sich der Sirmilik-Nationalpark. Die Berge und Gletscher sind so traumhaft schön, dass man denken könnte, sie stammen aus einem Disney-Film.

 
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Hundefutter Map it

Von David New, Regisseur der zehnteiligen Fernsehserie Polar Sea 360°. Bei seinem Besuch in Pond Inlet verbringt David die meiste Zeit damit, sein Wissen über Esskultur, Tiere und Hobbies in dieser Region zu erweitern und es zu dokumentieren; doch er hätte nie gedacht, dass er auf Grund seiner verrückten kulturellen Gewohnheiten auch noch zum lokalen Unterhaltungsprogramm beitragen würde!

Milne Inlet, Nunavut

Die Inuit, mit denen wir hier sind, interessiert bei der Jagd auf Narwale hauptsächlich der Stoßzahn und das “Muktuk”, die Haut. Beim ersten Wal, den sie gefangen haben, haben sie das Fleisch zurückgelassen. Wir haben es probiert und es schmeckte fantastisch, viel besser als das „Muktuk“. Sie sagten, dass die älteren Inuit das Fleisch noch essen, die jüngeren jedoch nicht mehr. Aber vielleicht haben die Familien auch unterschiedliche Geschmäcker, denn wir haben gehört, dass die Bewohner der nächsten Hütte das Fleisch essen. Jedenfalls hielten wir es für zu gut, um es einfach wegzuwerfen. Sanjay und Scott [der Polar-Sea-Tontechniker und der Kamera-Assistent] baten um Erlaubnis, sich ein paar Steaks abzuschneiden, damit wir sie später braten können.

„Als wir anfingen unsere Narwal-Steaks zu essen, gab es ein großes Gelächter, da wir ja Hundefutter aßen”


 

„Die Inuit, mit denen wir hier sind, interessiert bei der Jagd auf Narwale hauptsächlich der Stoßzahn und das “Muktuk”, die Haut”

Sam Omik, unser Kapitän, hat dann noch einen Narwal getötet und das ganze Fleisch entfernt. Er ist schon älter, also dachten wir, er gehört zu denjenigen, die das Fleisch noch essen, aber falsch gedacht: er isst das Muktuk und verfüttert das Fleisch an die Schlittenhunde. Als wir anfingen unsere Narwal-Steaks zu essen, gab es ein großes Gelächter, da wir ja im Grunde genommen Hundefutter aßen. Ein paar von ihnen haben es probiert, Sam aß zum Beispiel ein Stück, aber als seine Frau sah, was wir da trieben, bekam sie einen Gesichtsausdruck, als würde jemand in aller Öffentlichkeit in der Nase bohren. Sie verschwand schnell wieder im Zelt.

Am nächsten Morgen erzählte uns Michael Kusugak, ein Geschichtenerzähler und Schriftsteller, dass sein Vater immer, als Michael noch klein war, einen großen Sack Haferflocken mitnahm, wenn sie im Winter mit den Hunden unterwegs waren. Es war aber nicht zum Essen da, sondern um den Schlitten zu reparieren. Wenn ein Stück von den Kufen abbrach, machten sie aus den Haferflocken ein bisschen Haferbrei, kitteten die Lücke in der Kufe und ließen den Brei gefrieren. In ein paar Minuten hatte man so wieder gut funktionierende Kufen.

Aber in schweren Zeiten, wenn es nicht genügend Tiere zum Jagen gibt, wenn man nicht genügend Walross-Fleisch hat oder was auch immer die Schlittenhunde am Laufen hält, wozu benutzt man dann wohl das Hafermehl? Man füttert die Hunde damit.

Zu diesem Zeitpunkt aß einer der beiden Wissenschaftler gerade eine große Schüssel Haferbrei zum Frühstück. Genau, schon wieder Hundefutter.

Diese verrückten Weißen.

 
 

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Kennenlernen beim Lunch in Pangnirtung Map it

Von Ulla Lohmann, deutsche Fotojournalistin und Dokumentarfilmerin mit Spezialgebiet indigene Völker. Sie liefert Beiträge für National Geographic, GEO, die BBC und die New York Times. Hier berichtet Ulla Lohmann über ihre erste Reise in die Arktis, wo sie die herrliche Landschaft fotografiert und die interessanten Menschen von Pangnirtung getroffen hat.

Pangnirtung, Nunavut

„Hmmmm…“ – so mein erster Eindruck von den Menschen in Pang. Ich kam aus dem Flughafen, lächelte einige Menschen im Vorübergehen an und grüßte – keine Reaktion. Auch nicht von den Menschen, denen ich danach begegnete. Ich komme aus einem kleinen Dorf, wo man sich grüßt. Vielleicht ist das einfach nur nicht üblich hier?

Ein Ort voller Kontraste! Von Mitte November bis Mitte Februar erhält Pangnirtung aufgrund des hohen Küstengebirges keine direkte Sonneneinstrahlung. Ich kann mir ein Leben ohne Sonne ebenso wenig vorstellen wie eines mit ständigem Tageslicht. Im Winter sind die Tage sehr kurz, und es herrscht eine gefühlte Temperatur von –50°C oder darunter. Wie halten die Menschen das aus, vor allem die Kinder?

“Wir erhielten nur einen kleinen Einblick in das Leben hier oben. Um es richtig zu verstehen, müssten wir viel länger bleiben”

Fremde wie wir haben den Eindruck, als gäbe es in dieser kleinen Siedlung nicht viel zu tun. Doch ich habe dort viel Kreatives entdeckt. Wir trafen Weber, Siebdrucker und in ganz Kanada berühmte Maler. Es gibt auch eine aktive Jugendkultur, ein Jugendzentrum mit Kantine, Billard-Tischen und Wii-Konsole. Zwar sind unsere Vorstellungen von Unterhaltung etwas anders, doch wir haben viele Inuit-Kinder mit den gleichen Hobbys getroffen, wie wir sie früher hatten. Sie fischen im Meer, spielen am Ufer Verstecken, fahren Rad, spielen mit Hunden, gehen tanzen, verkleiden sich und spielen Bingo.

Wir erhielten natürlich nur einen kleinen Einblick in das Leben hier oben. Um es richtig zu verstehen, müssten wir viel länger bleiben und auch im Winter hier leben. Wer weiß? Vielleicht haben die Menschen hier Spaß daran, im Schnee zu spielen und in Schneemobilen umherzufahren? Nur weil ich an ein ganz anderes Klima gewöhnt bin, muss das Leben im Winter hier ja nicht schlecht sein. Und außerdem kommt es nicht darauf an, wo man ist, sondern was man jeweils daraus macht.

Den folgenden Tag verbrachten wir in Pang, ich lächelte und grüßte weiter – nach wie vor ohne großen Erfolg. Die Menschen kümmerten sich um ihre Angelegenheiten und wir um unsere. Erst am vierten Tag in Pang gelang es uns, das Eis zu brechen – am Kanada-Tag. Ein Polizist hisste zunächst die kanadische Flagge, dann folgte eine „Parade“ geschmückter roter und weißer Autos, am Schluss marschierte eine Gruppe eleganter älterer Frauen aus Pang. Ich gesellte mich zu diesen lachenden Frauen und vollführte den „Fotografentanz“. Wir mussten alle lachen und waren bald in angeregte Gespräche vertieft.
 

 

“Essen miteinander zu teilen ist in der Inuit-Kultur sehr wichtig. Es verbindet die Menschen”

Kurz nach der Parade lud uns Annie, eine Frau aus Pangnirtung, zu sich nach Hause zum Mittagessen ein. Wir brachten eine Tüte mit Lebensmitteln aus dem Supermarkt mit. Wie ich später erfuhr, war das eine gute Idee, denn Essen miteinander zu teilen ist in der Inuit-Kultur sehr wichtig. Es verbindet die Menschen, so wie auch ein Jäger, wenn er von der Jagd zurückkommt, seine Beute mit Freunden und Familie teilt. Wir nahmen Äpfel mit, und sie verschwanden zu unserem Erstaunen schneller als die Süßigkeiten. Später wurde uns klar warum – ein Apfel kostet etwa 3,50 CAD (2,50 Euro).

Viele Familien können sich wohl kaum Lebensmittel im Supermarkt leisten. Die meisten leben hauptsächlich von der Jagd. Robbe, Wal, Fisch, Schalentiere, wilde Beeren werden im Gefrierschrank konserviert und nach Bedarf aufgetaut. Doch aufgrund des Klimawandels werden die Bedingungen für die Jagd schwieriger. Annie erzählte uns, dass immer mehr Familien Essen im Laden kaufen und sogar nicht einmal mehr ihren Fang auf traditionelle Art teilen können – sie müssen ihn verkaufen, weil sie Geld für Brennstoff brauchen.

Die Menschen hier müssen auch andere Schwierigkeiten meistern. Annie bekennt, dass viele Menschen Depressionen haben und das Leben hier eine „dunkle Seite“ hat. Die Selbstmordrate ist hoch, und es gibt viel häusliche Gewalt. Im International Journal of Circumpolar Health stellen Eduardo Chachamovich et al. fest, dass die Selbstmordrate in Nunavut zehnmal höher als der kanadische Durchschnitt ist und Kindesmissbrauch einen Hauptrisikofaktor darstellt.

“Ich werde das von unseren neuen Freunden erworbene Wissen bewahren wie einen Schatz”

Ich habe während des Besuchs bei Annie viel gelernt. Sie brachte mir bei, wie man rohes Robbenfleisch mit dem „Ulu“ schneidet, einem Messer eigens für Frauen. Es dient zu allen erdenklichen Zwecken – zum Enthäuten und Säubern der Tiere, zum Haareschneiden für die Kinder, zum Zerkleinern des Essens, ja selbst zum Behauen der Eisblöcke beim Iglubau.

Am Ende unseres Besuches schenkte mir Annie ein Ulu. Früher war es Tradition, das Messer von einer Generation an die nächste zu vererben. Man glaubte, damit das im Messer gesammelte Wissen der Vorfahren weiterzugeben. Ich werde das von unseren neuen Freunden erworbene Wissen bewahren wie einen Schatz. Und meinen ersten Eindruck über die Menschen aus Pang habe ich inzwischen revidiert – wenn man erst einmal ihr Vertrauen erworben hat, sind sie die freundlichsten, aufgeschlossensten und großzügigsten Menschen, die man sich vorstellen kann.

Vielen Dank, ihr lieben Menschen in Pang, für die unvergessliche Zeit bei euch!

 

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Henry Larsen; der Mann, sein Leben Map it

Von Doreen Larsen-Riedel, der Tochter von Henry Larsen, dem legendären Erforscher der Arktis und Kapitän der St. Roch, dem ersten Schiff, das Nordamerika umsegelte. Um sich an die harten arktischen Winter zu gewöhnen, in denen man vom Eis eingeschlossen ist, lernte Larsen im Laufe seiner Karriere die Jagdpraktiken der Inuit sowie ihre Techniken zur Konservierung von Nahrung.

Vancouver Island, British Columbia

Im Oktober 1942 wurde der in Norwegen geborene Henry Larsen in einem 32m langen Schoner aus Holz, den er selbst befehligte, ohne großen Donnerhall zum Hafen von Halifax in Nova Scotia eskortiert. Das Patrouillenboot der Royal Canadian Mounted Police (RCMP) für Reisen zur Arktis namens St. Roch hatte Vancouver in British Columbia im Juni 1940 verlassen und war zur kanadischen Arktis aufgebrochen. Mit dieser 28-monatigen Reise verewigten sich das Schiff und seine Crew in den Annalen der kanadischen und weltweiten Seefahrtgeschichte als erstes Schiff, das die Nordwestpassage von Westen nach Osten durchquerte. 40 Jahre waren vergangen seitdem es Roald Amundsen geschafft hatte, als Erster die sagenumwobene Passage zu durchqueren – eine Errungenschaft, die den jungen Henry Larsen inspirierte.

Ich lernte meinen Vater Henry Larson 1937 kennen, als ich 23 Monate alt war. Dieses Treffen hat sich mir ins Gedächtnis eingebrannt. Meine Mutter, Mrs. Poulsen, eine Freundin der Familie, und ich standen auf der Evans-Coleman-Evans-Warft in Vancouver. Mrs. Poulsen hielt fest meine Hand, als die St. Roch in die Warft glitt. Der Landungssteg wurde herabgelassen und ein Mann in einer braunen Uniform kam uns entgegen. Ich erinnere mich daran, dass ich den Griff lockerte und auf ihn zulief. Angeblich rief ich dabei: “Mein Daddy, mein Daddy, mein Daddy”. Er nahm mich in die Arme. Diese Begegnung war der Anfang einer Verbundenheit, die das ganze Leben andauerte.

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Larsen wurde 1899 auf der norwegischen Insel Herføl in der Ostsee geboren. Er war ein unersättlicher Leser; besonders Bücher über die Arktis hatten es ihm angetan, und er konnte jeden bekannten Entdecker zitieren. Er sagte dazu einmal: “In der Schule habe ich jedes Buch über Geographie gelesen, das ich finden konnte. Mich faszinierten vor allem Geschichten über die Polargebiete. Die Bücher von Nansen, Amundsen, Sverdrup und Stefansson waren meine Lieblingsbücher…” Sogar bevor er mit 14 das erste Mal an Bord der Anna in See stach, war das Meer seine große Liebe.

„Die St Roch war das erste Schiff, dass die Nordwestpassage von Westen nach Osten durchquert hat”

Ob groß oder klein, Larsen liebte Schiffe aller Art, vor allem Segelboote. Sein Hobby war es, Modelle von Schiffen zu bauen, auf denen er gesegelt war. Im Keller jedes Hauses, in dem wir wohnten, baute er einen wunderschönen Raum wie eine Schiffskajüte aus. Als junger Mann brachte er Schiffsführer zu ihren Schiffen und Touristen zu verschiedenen Inseln. Oft, wenn große Schiffe in der Bucht anlegten und auf günstige Winde warteten, durfte er an Bord gehen, die Masten hochklettern, takeln und kleine Arbeiten übernehmen.

Im Alter von 15 Jahren diente Larsen zum ersten Mal auf einem norwegischen Segelboot, das während des Ersten Weltkriegs in die Amerikas segelte. Später machte er seinen Hochschulabschluss an der Hochschule für Seefahrt in Oslo und absolvierte sein vorgeschriebenes Pensum in der norwegischen Marine. Auf der Theodore Roosevelt lernte er 1922 Amundsen kennen, der für seinen Piloten Oscar Omdahl die Rückfahrt nach Hause organisierte, nachdem ihr Versuch den Nordpol zu überfliegen fehlgeschlagen war. Die langen Unterhaltungen, die er mit Omdahl führte, weckten erneut sein Interesse an der Arktis. Im darauffolgenden Jahr las er in der Zeitung, dass der dänisch-amerikanische Händler Christian Klengenberg, der seit 1905 zur Arktis segelte, in Seattle war und nach einem Steuermann suchte.

Bei Klengenberg sammelte er wertvolle Erfahrungen. Er lernte das Navigieren durch das Eismeer, wie man auf einem Schiff überwintert, an Land nach Seehunden und Walrossen jagt, Schlittenhunde hält, Fallen stellt und unter Inuit lebt. Aber vor allem wurde ihm klar, dass ihm das Leben in der Arktis gefiel.

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„Von all den Männern mit denen ich gearbeitet habe, hat mich keiner je enttäuscht – Larsen

Während dieser Reise erfuhr er, dass die RCMP ein Polizei- und Versorgungsschiff für die Arktis einrichten wolle. Larsen wollte auf diesem Schiff arbeiten. Vier Jahre später, nachdem Larsen die kanadische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, wurde der nun 28-Jährige das jüngste Mitglied der Crew auf der Testfahrt der RCMP St. Roch. Bei der Ankunft in der Arktis wurde Larsen zum Skipper und Steuermann ernannt.

Die St. Roch wurde aus Douglasien-Holz mit einer Verstrebung aus australischem Eukalyptusholz gebaut. Durch die abgerundete Form der Schiffshülle konnte sie besser dem Druck von brechendem Eis widerstehen, machte sie insgesamt jedoch instabiler. Sie hatte 6 Zylinder und einen 135-PS-starken Dieselmotor, der nicht viel stärker war als ein Motor eines modernen Autos. Die Crew bestand aus sieben bis neun Polizisten, die üblicherweise nur wenig Erfahrung auf einem Schiff hatten. Sie segelten hauptsächlich durch unerforschte Gewässer ohne moderne Navigationshilfen oder regelmäßigen Funkkontakt. Larsen bildete seine Mannschaft aus, um auf diese Schwierigkeiten vorbereitet zu sein.

Mein Dad sagte einmal zu mir: “Von all den Männern, die unter mir gedient haben, hat mich nie einer im Stich gelassen”. Er wurde immer als Verfechter des Egalitarismus beschrieben und seine Männer respektierten ihn. Bei bestimmten Aufgaben führte er seine Mannschaft auf beispiellose Art und Weise. Wie einer seiner Männer einmal sagte: ” Er gab nie Befehle, er bat einen nur, etwas zu tun.” Henry Larsens Aufgabe war es, Kanadas Hoheitsgewalt über seinen Teil der Arktis auszuüben. Die St. Roch brachte Verpflegung für an Land stationierte Männer, transportierte Inuit, Priester und Familien. Die Männer überbrachten Post, überwachten die Jagd, führten Volkszählungen durch, setzten Maßnahmen der Regierungen um, überprüften die Lebensbedingungen in Inuit-Gemeinden, untersuchten gelegentlich Mordfälle oder andere Verbrechen, fungierten als Richter, trieben verschiedene Steuern ein und stellten Lizenzen aus. Mit anderen Worten: sie führten die Funktionen aller Regierungsabteilungen aus. Sie zogen außerdem ihre eigenen Schlittenhunde auf und bildeten sie aus, fingen Fische, jagten Bären und Seehunde, um die Schlittenhunde, sich selbst und manchmal die Inuit mit frischem Fleisch zu versorgen. Im Winter benutzten sie Inuit-Bekleidung, in der sie herumreisten. Sie hatten einen Dolmetscher oder Führer aus der Umgebung dabei. Dies waren die Aufgaben der RCMP in der Arktis bis in die späten 1950er Jahre.

„Henry Larsen hat Kanada’s Souverenität über dessen Teil der Arktis demonstriert”

Bis das Schiff aus dem arktischen Dienst zurückgezogen wurde, segelte Henry Larsen mit der St. Roch zwischen 1928 und 1948 elf Mal in arktische Gewässer und überwinterte dort. Zu den namhaftesten Errungenschaften der St. Roch zählt die erste Durchquerung der Nordwestpassage (NWP) von Westen nach Osten in den Jahren 1940 bis 42, die erste vollständige Durchquerung per Schiff der nördlicheren Route der NWP 1944 und die erste Umsegelung Nordamerikas. Nach Larsens Tod im Jahr 1963 wurde die Passage im Norden der King William Island in Nunavut ihm zu Ehren als Larsensund benannt.

 
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Allein im Nebel Map it

Von Richard Tegnér, schwedischer Architekt und Vater zweier Kinder. Nachdem Richard mit der DAX, einem 9,5 Meter langen Segelboot, das ihn durch die Nordwestpassage bringt, an der Küste des kleinen Inuit-Dorfes Pond Inlet angelegt hatte, besichtigt er zum ersten Mal die ehrfurchtgebietende Landschaft der kanadischen Arktis.

8. August - Eclipse Sund, Nunavut

Angeregt durch diese Erfahrung, bin ich in mich gegangen. Und es war ja auch von Anfang an meine Absicht, mich selbst mehr zu erforschen. Es ist eine Reise nach außen und nach innen. So erleben es die meisten Menschen, wenn sie an diese Orte reisen. Denn in der Arktis werden wir nicht mit Eindrücken überflutet wie in unserem „normalen“ Leben. Hier ist alles so rein und still. Man muss also auf andere Menschen zugehen, vor allem aber muss man die Begegnung mit sich selbst suchen.

Martin scheint langsam etwas aufzutauen. Das wäre gut. Mal sehen, ob wir uns die Zeit nehmen, über unsere Beziehungen zueinander zu reden, wenn wir anlegen. Eigentlich sollten wir die Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen genauso ernst nehmen, wie das Reparieren von defekter Ausrüstung. Harmonie ist für die Sicherheit an Bord genauso wichtig wie Motoröl oder die Navigationsinstrumente.

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